Risikobericht
Konzernweites Risikomanagementsystem
Jede Geschäftstätigkeit birgt Risiken, die die Erreichung der Unternehmensziele beeinträchtigen können. Unternehmerisches Handeln beinhaltet, gleichwohl Risiken bewusst einzugehen, um Chancen zur Steigerung des Unternehmenswerts realisieren zu können. Nicht erkannte, berücksichtigte oder behandelte Risiken können die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens gefährden.
Zur Identifikation und Steuerung von Risiken hat der Vorstand ein konzernweites System eingerichtet, um angemessen auf die aktuelle Risikolage durch ein rechtzeitiges, zielgerichtetes Eingreifen des Managements reagieren zu können. Mit diesem System wird sichergestellt, dass mögliche Risiken für die Unternehmensentwicklung frühzeitig angezeigt werden, deren Ausmaß transparent dargestellt werden und diese im Einklang mit der Risikotragfähigkeit sowie der durch den Vorstand definierten Risikotoleranz stehen. Dabei werden auch Extremrisiken behandelt, also solche Risiken, die eine sehr hohe Schadenswirkung entfalten können, deren tatsächlicher Eintritt aber sehr unwahrscheinlich ist. Neben der Meldung kritischer Markt- und Unternehmensentwicklungen, mit deren möglichen Auswirkungen auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage, fördert das Risikomanagementsystem das allgemeine Risikobewusstsein der Führungskräfte und Mitarbeiter, sodass Risikobewertungen bereits in die Entscheidungsfindung einfließen und frühzeitig Maßnahmen zur Minderung und Bewältigung von Risiken ergriffen werden.
Das bei Koenig & Bauer installierte Risikomanagementsystem berücksichtigt die sogenannte doppelte Wesentlichkeit. Das heißt, ergänzend zur Ermittlung und Bewertung der sich auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage auswirkenden Risiken (outside-in-Perspektive) werden vom konzernweiten Risikomanagementsystem auch solche Risiken systematisch erhoben, die von Koenig & Bauer ausgelöst, unterstützt oder geduldet auf die Umwelt oder Öffentlichkeit wirken (Inside-out-Perspektive).
Teil des Risikomanagements bei Koenig & Bauer ist insbesondere auch das Identifizieren von Chancen. Im Gegensatz zu Risiken werden diese jedoch nicht im nachfolgend beschriebenen Risikomanagementsystem erfasst, sondern die sich bietenden operativen und strategischen Chancen dokumentiert, bewertet und verfolgt im Rahmen des konzernübergreifenden Strategie- und Planungsprozesses. Eine Darstellung der wesentlichen Chancen finden Sie auf der Seite 49 f. im Chancenbericht.
Etablierter Risikomanagementprozess
Bei Koenig & Bauer besteht die Risikomanagement-Organisation aus der zentralen Risikokoordinationsstelle mit direkter Zuordnung zum Vorstand, den Risikoverantwortlichen in den Gesellschaften, Segmenten und Business Units sowie den Geschäftsführer:innen der in den Risikokonsolidierungskreis eingeschlossenen Konzerngesellschaften. Der Vorstand steuert das Risikomanagementsystem auf Konzernebene und wird dabei durch den Aufsichtsrat überwacht. Neben den produzierenden Einheiten erfasst das Risikomanagementsystem auch alle Vertriebs- und Servicegesellschaften. Die Risikoinventur mit den entsprechenden Berichten wird dezentral von den Risk-Ownern der operativen Einheiten halbjährlich durchgeführt. Die Vollständigkeit und Bewertung der Risiken werden abschließend durch die jeweilige Unternehmensleitung der operativen Einheiten überprüft.
Die wesentliche Erhebung erfolgt dabei basierend auf den Meldungen der verantwortlichen Führungskräfte (Bottom-up-Approach) und einem konzernseitig vordefinierten Katalog von angenommenen Basis-Risiken, die in den Gesellschaften zu bewerten sind (Top-down-Approach). Zudem werden projekt- und prozessbezogene Risiken bei den Verantwortlichen der wesentlichen strategischen Projekte und wertschöpfenden Prozesse erhoben.
Über die halbjährliche, konzernweite Erhebung der Risikosituation hinaus beinhaltet die Konzernrichtlinie die Verpflichtung zur ad-hoc Meldung von Risiken, die einen definierten Threshold überschreiten. Zudem werden durch das Konzerncontrolling im Auftrag des Vorstands Impact-Analysen basierend auf definierten Szenarien für aktuelle exogene Situationen mit potenzieller Auswirkung auf die Auftragslage, Projektabwicklung und Konzernergebnis erstellt.
In der Konzernrichtlinie Risikomanagement sind das Instrumentarium, Prozesse, Erwägungen, Berichtswege sowie Risikokategorien dokumentiert. Neben den Vorschriften des Aktienrechts und den Deutschen Rechnungslegungsstandards basiert das Risikomanagementsystem der Koenig & Bauer-Gruppe auf Grundlagen und Modellen vom Institute of Internal Auditors (IIA) und Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO).
Systematischer Umgang mit Risiken schafft hohe Transparenz für vorausschauendes, zielorientiertes Handeln.
Für eine weitergehende Steuerung von Risiken, wie Risikovermeidungs- und -reduzierungsmaßnahmen, wird als Risiko die negative Abweichung vom Erwartungswert definiert. Bei dieser Vorgehensweise werden sowohl Risiken systematisch erfasst, die bereits in die Unternehmensplanung einbezogen wurden, als auch die darüber hinausgehenden latenten Risiken, die nicht im Rahmen der Planung dargestellt werden.
Risiken werden in einer Nettobetrachtung um die bereits etablierten Risikobegrenzungsmaßnahmen reduziert und anschließend anhand nachvollziehbar beschriebener Szenarien nach Eintrittswahrscheinlichkeit und potenzieller Auswirkung auf das Konzernergebnis quantifiziert. Der zugrunde gelegte Beurteilungszeitraum erstreckt sich bis zum Ende des der Berichterstattung folgenden Geschäftsjahres. Eine systematische und einheitliche Bewertung von Risiken wird durch die standardisierte Vorgehensweise erreicht. Die quantitativ und qualitativ gebündelten Risiken, die einzeln einen Wert von 0,5 Mio. € und eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 10% überschritten, werden dem Vorstand übermittelt. Diese Risiken werden aggregiert in Risikogruppen anhand der untenstehenden Matrix sortiert und entsprechend der Kombination aus „Auswirkung auf das Konzernergebnis“ und „Eintrittswahrscheinlichkeit“ als gering, moderat oder bedeutend eingestuft. Eine besondere Aufmerksamkeit erhalten dabei Risiken mit einer hohen oder sehr hohen Auswirkung auf das Konzernergebnis oder mit einer möglichen oder wahrscheinlichen Eintrittswahrscheinlichkeit. Des Weiteren werden im Risikomanagementprozess auch Risiken, die bei vergleichsweise geringer Eintrittswahrscheinlichkeit sehr hohe Auswirkungen auf das Konzernergebnis entfalten können (sogenannte Extremrisiken), qualitativ betrachtet und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen daraus abgeleitet.
Das Risikomanagementsystem wird durch das monatliche Konzernberichtswesen und die etablierten und weiterentwickelten operativen Steuerungselemente ergänzt. Weitergehende Informationen dazu finden Sie unter dem Abschnitt Planungs-, Steuerung- und Kontrollsystem im Berichtselement Grundlagen des Konzerns.
Das Risikofrüherkennungssystem nach § 91 Absatz 2 Aktiengesetz als Teil des vom Vorstand installierten Risikomanagementsystems wird jährlich vom Abschlussprüfer nach den gesetzlichen Vorschriften auf Angemessenheit und Implementierung geprüft und regelmäßig im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats diskutiert. Die interne Revision überwacht das Meldeverfahren und prüft auf Plausibilität.
Darstellung der Risiken
Nachfolgend werden die wesentlichen Risiken beschrieben, denen sich der Konzern ausgesetzt sieht. Diese betreffen alle Segmente gleichermaßen, sofern keine spezielle Zuordnung erfolgt. Für die Konzernberichterstattung werden Einzelrisiken in Risikogruppen zusammengefasst, die wiederum in die Kategorien Geschäftsrisiken, Finanzrisiken, operative Risiken und sonstige Risiken eingeteilt werden. Die Reihenfolge der Darstellung der Risikogruppen innerhalb der Kategorien folgt im nachfolgenden Bericht der auf Basis der Einzelrisiken errechneten Risikobewertung je Risikogruppe, wobei Risiken mit höherer Risikobewertung vor solchen mit geringerer Risikobewertung beschrieben werden. Die Risikobewertung ermittelt sich aus der Kombination der beiden Dimensionen „Auswirkung auf das Konzernergebnis“ und „Eintrittswahrscheinlichkeit“.

Geschäftsrisiken
Marktentwicklung
Trotz einer sich tendenziell stabilisierenden Situation bezüglich der Konsolidierung des Marktes sowie Kundeninsolvenzen bestehen weiterhin Risiken, durch Unsicherheiten bezüglich der regulatorischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkung auf die finalen Kosten eines Investitionsprojektes, welche sich im Bereich des Industrieanlagenbaus auf mehrere Monate erstrecken können. Solche Unsicherheiten können dazu führen, dass Entscheidungen verschoben oder zugunsten von Anbietern mit geringerem Risiko getroffen werden. Dies betrifft im Besonderen die weiterhin hohen Umsatzerwartungen im nordamerikanischen Markt, was perspektivisch merkbare Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit und Profitabilität von Projekten haben kann. Zudem erschwert der weiterhin schwache Dollarkurs Projekte und die Preisqualität. Die Kundenstruktur im Wertpapiergeschäft mit zumeist von politischen Entscheidungen abhängigen staatlichen Stellen erschwert zudem die Planbarkeit mit entsprechenden Risiken bezüglich Auslastung und finanziellen Aspekten. Die aus regionalen Nachfrageschwankungen und dem Wertpapiergeschäft resultierenden Risiken werden durch die fortlaufende Optimierung des Produktportfolios und des internationalen Vertriebs- und Servicenetzwerks, insbesondere in den Zukunftsmärkten, minimiert.
Unter Zugrundelegung der bereits in die Planung eingeflossenen Prämissen hinsichtlich der Marktentwicklung sowie der bereits ergriffenen Maßnahmen werden diesbezüglich bedeutende Risiken gesehen. Dem liegt eine Annahme zugrunde, dass der Eintritt der potenziell sehr hohen Risiken möglich ist.
Geopolitische Veränderungen
Unsicherheiten ergeben sich auch aus der hohen Verschuldung vieler Volkswirtschaften und den anhaltenden geopolitischen Spannungen. Im Falle von kriegerischen oder kriegsähnlichen Konflikten zwischen Nationalstaaten ist ein, faktischer oder durch zusätzliche Sanktions- und Embargoregime bedingter Ausfall oder eine erhebliche negative Beeinträchtigung von Absatzmärkten, Lieferketten oder Transportwegen nicht auszuschließen. Risiken für Koenig & Bauer bestehen dabei unmittelbar als Importeur und Exporteur von Waren und Dienstleistungen, da die Fertigung und Bereitstellung erschwert oder verteuert werden könnte.
Den Eintritt von Risiken aus dieser Kategorie erachten wir als unwahrscheinlich, aufgrund der potenziell sehr hohen Auswirkung stellen sie aber ein moderates Risiko dar.
Außenhandel und Zoll
Gerade die weiter wahrnehmbare Verschlechterung der internationalen Handelsbeziehungen und die protektionistischen Tendenzen in einigen Ländern können zu Handelsbeschränkungen, z.B. Verboten, zusätzliche Auflagen, höheren Zöllen oder sonstige Kosten führen. Auch dies betrifft insbesondere die Geschäftstätigkeit im nordamerikanischen Markt. Koenig & Bauer wirkt diesen Risiken einerseits durch speziell entwickelte Vertragsklauseln und die Verwendung von vorteilhaften Lieferbedingungen (u.a. Incoterms) mittels derer Kostenrisiken weitgehend transferiert werden, andererseits durch eine intensive Betreuung und Beratung der Kunden entgegen.
Allerdings können Zölle oder sonstige Tarif zu einer Verteuerung von Koenig & Bauer Maschinen im Ausland führen, was zu einer Kaufzurückhaltung oder stärkeren Preisverhandlungen führen könnte.
Unter Zugrundelegung der bereits in die Planung eingeflossenen Prämissen sowie der bereits ergriffenen Maßnahmen ist der Eintritt von mittleren Risiken möglich, so dass wir ein moderates Risiko sehen.
Makroökonomische Faktoren
Das Geschäft von Koenig & Bauer wird von den weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Die Konjunktur und das Wirtschaftswachstum in den Absatzmärkten, die Entwicklung des Euro gegenüber anderen maßgeblichen Währungen oder das Zinsniveau für Kreditaufnahmen können den Absatz der Produkte und die Kapazitätsauslastung mindern sowie die Prognosen und Budgets beeinträchtigen. Zudem erschweren die Unsicherheiten unseren Kunden den Zugang zu verlässlichen und attraktiven Finanzierungen, da Banken und Kreditinstitute zum Teil Risikoaufschläge oder weitergehende Sicherheiten verlangen.
Daraus ergeben sich moderate Risiken, da ein Eintritt potenziell möglich ist, die Auswirkung aber niedrig wäre.
Wettbewerber
Das Branchenumfeld kann die Nachfrage nach Produkten sowie Services und damit die Geschäftsentwicklung der Koenig & Bauer Gruppe beeinträchtigen. Ein sich veränderndes Bestellverhalten von Kunden oder Innovationen bzw. Neupositionierung von Wettbewerbern können die Entwicklung und Profitabilität einzelner Geschäftsfelder unterschiedlich stark beeinflussen. Bei Bogenoffsetmaschinen und im Wertpapierdruck geben Wettbewerber oftmals erhebliche Preisnachlässe, die den Absatz von Produkten und die umfassende Durchsetzung der durch Inflation, gestiegenen Kosten und zusätzlichen Abgaben begründeten Preisanpassungen erschweren können. Insbesondere im asiatischen Raum, wo der Markt für Druckmaschinen aktuell am stärksten wächst, nutzen Wettbewerber lokale Produktionsstätten, was ihnen erlauben könnte, gerade Maschinen für diesen Markt vergünstigt anzubieten. Koenig & Bauer setzt auf zukunftsweisende Innovationen und höchste Qualitätsstandards, die an den deutschen und europäischen Produktionsstandorten verwirklicht werden. Strategie der Koenig & Bauer ist es, mit maßgeschneiderten Lösungen für ihre Kunden und der gleichzeitig forcierten weiteren Optimierung ihrer Strukturen und Herstellungskosten die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität nachhaltig zu steigern. Ein aktives Darstellen bzw. Kommunizieren der technischen Vorteile ihrer Produkte und Dienstleistungen für den Kunden ermöglicht angemessene Aufschläge. Gleichzeitig unterstützen klare Vertriebsvorgaben und permanente Kontrollen die nachhaltige Preisgestaltung bei Neu- und Gebrauchtmaschinen. Als Reaktion auf das Verhalten der Wettbewerber und zur Steigerung der Resilienz prüft Koenig & Bauer aber auch fortlaufend die Möglichkeiten, über Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften die Marktposition sowie Preisgestaltung in Wachstumsmärkten zu verbessern. Das Verhalten der Wettbewerber erhöht aber potenziell den Druck auf die Zielerreichung beim Auftragseingang und bei der Rentabilität von Projekten.
Übergreifend erachten wir die Risiken aus dieser Kategorie als gering, da der Eintritt niedriger Auswirkungen als eher unwahrscheinlich eingeschätzt wird.
Übergreifend wirken die umgesetzten Maßnahmen aus dem abgeschlossenen Effizienzprogramm zur Steigerung der operativen Ertragskraft und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit zur weitergehenden Begegnung der Geschäftsrisiken unverändert fort. Parallel dazu wird regelmäßig die strategische Ausrichtung des Unternehmens, insbesondere auch zur Steigerung der Resilienz überprüft. Mit der im Dezember 2025 verabschiedeten Konzernstrategie „IMPACT“ reagiert Koenig & Bauer auf die globalen Megatrends und setzt den bereits eingeschlagenen Weg zu mehr Resilienz, Digitalisierung und größerer Modularität konsequent fort.
Finanzielle Risiken
Steuern
Steuerliche Risiken können sich aus einer zwischen Koenig & Bauer und der Finanzverwaltung abweichenden Interpretation oder Bewertung von Sachverhalten ergeben. Dieses Risiko folgt insbesondere im Rahmen von Betriebsprüfungen, gesellschaftsrechtlichen Anpassungen oder Änderungen der Steuergesetzgebung. Diesem Risiko wird durch die implementierten Prüfungs- und Überwachungsprozesse sowie einer frühestmöglichen und weitgehenden Abstimmung mit den Finanzbehörden begegnet.
Aufgrund der Komplexität und Anzahl der potentiell relevanten Sachverhalte besteht trotz der eingerichteten Maßnahmen ein moderates Risiko, da ein Eintritt möglich ist und dieser aber eine niedrige Auswirkung auf das Ergebnis hätte.
Treasury
In der Kategorie Treasury ergeben sich Risiken insbesondere aus Unsicherheiten der Finanzierung von Projekten auf Kundenseite sowie aus Währungsschwankungen und Zinsänderungen.
Finanzierungszusagen für Projekte unserer Kunden sind häufig zeitlich befristet oder an Liefertermine gebunden. Sollte es zu Verschiebungen in den Projekten kommen besteht das Risiko, dass eine Verschlechterung der Finanzierung auf Seiten unserer Kunden, z. B. durch Zinsanhebung, Ablauf von Förderprogrammen, Verringerung des Risikoappetits der Banken oder aufgrund der sich verschlechternden Bilanzzahlen des Kunden eintritt. Werden Finanzierungszusagen zurückgezogen oder ist die Finanzierung der Projekte für den Kunden nicht mehr tragbar, kann es zu Anpassungen oder Stornierungen von Verträgen kommen, was geplante Umsätze und Margen beeinträchtigen und die Liquidität negativ beeinflussen könnte.
Aus Währungsschwankungen und Zinsänderungen können finanzielle Risiken resultieren. Bei Koenig & Bauer bestehen Finanzinstrumente, deren Zeitwert bzw. die daraus resultierenden Zahlungsströme vom Marktzinssatz beeinflusst werden. In ausgewählten Fällen werden derivative Finanzinstrumente zur Begrenzung bzw. Eliminierung etwaiger Risiken genutzt. Risiken verbleiben jedoch dann, wenn aufgrund regulatorischer Vorgaben die Verwendung bestimmter Währungen unumgänglich und eine Sicherung nicht möglich ist.
In Anbetracht der getroffenen Maßnahmen und der Erwartungen an die Marktentwicklung, die den Eintritt eines mittleren Risikos als eher unwahrscheinlich erscheinen lassen, wird ein moderates Risiko angenommen.
Buchhaltung & Controlling
Buchhalterische Risiken können sich aus der Bewertung von Projekten ergeben (Impairment). Solche können insbesondere aus einem verspäteten Markteintritt oder einer Anpassung resultieren. Risiken können auch daraus entstehen, dass die der Festlegung von internen Verrechnungspreisen und make-or-buy Entscheidung zugrunde liegenden Daten nicht die sich nachträglich geänderten Kostenkalkulation oder Marktpreise berücksichtigen. Diesbezügliche Risiken werden als moderat bewertet, da die potentiellen Auswirkungen eines möglichen Eintritts niedrig wären.
Operative Risiken
Vertrieb und Service
Konzernziele und jährliche Budgets basieren auf Annahmen, die mit Unsicherheiten verbunden sind. Im Rahmen der Vertriebsplanung werden Absatzmengen mit entsprechenden Margen als Grundlage für die Kapazitäts- und Ressourcenplanung der Gesellschaften berücksichtigt. In die Kostenplanung fließen dabei unter anderem erwartete Preis-, Tarif- oder Materialkostensteigerungen, sowohl auf Produktions- als auch auf Vertriebsseite sowie Einsparungen im Rahmen geplanter Verbesserungsmaßnahmen ein. Es besteht das Risiko, dass die im Rahmen der Planung aufgestellten Prämissen nicht vollumfänglich eintreten, gegenläufige Effekte auftreten, oder die Maßnahmenumsetzung verspätet erfolgt. Insbesondere besteht das Risiko, dass geplante Preise oder Preiserhöhungen nicht vollumfänglich durchgesetzt werden können oder sich Produktionskosten aufgrund geänderter Marktanforderungen oder -preisen erhöhen. Im Bereich des Banknotendrucks bestehen darüber hinaus Risiken, dass Staatskunden bestehende Verträge nachverhandeln oder geplante Aufträge verschieben, was die Umsatz- und Ergebniserwartung für den Planungszeitraum negativ beeinträchtigen kann. Basierend auf einem fortlaufenden Beobachten und Analysieren des geschäftlichen Umfelds wird dem Risiko mit regelmäßigen Planüberprüfungen bei der Forecast-Erstellung und einem effizienten Steuern des operativen Geschäfts sowie der strategischen Projekte begegnet.
Die bezüglich Vertrieb und Service unterschiedlich ausgeprägten und bewerteten Risiken sind als maximal hoch und möglich einzustufen und stellen damit ein moderates Risiko dar.
Forschung und Entwicklung
Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit, Erfüllung von Marktanforderungen und Gewinnung neuer Kundenkreise investiert Koenig & Bauer regelmäßig erhebliche Mittel in die Entwicklung verbesserter oder gänzlich neuer Produkte und Verfahren. Dadurch entstehen Risiken in Bezug auf die technische Umsetzung und Machbarkeit sowie auf die finale Marktakzeptanz der Neu- und Weiterentwicklungen. Insbesondere besteht das Risiko, dass die getätigten Aufwendungen nicht oder nicht in der geplanten Zeit durch den Absatz der entwickelten Produkte und Serviceleistungen am Markt amortisiert werden können (Return-on-Investment). Den Risiken wird durch einen Stage-Gate-Prozess mit entsprechenden Analysen der Marktbedürfnisse vor Entwicklungsbeginn, kontinuierlichen Wirtschaftlichkeits- und Risikobetrachtungen während der Entwicklung und Marketingaktivitäten im Zuge der Produkteinführung begegnet. Für nicht als werthaltig angesehene aktivierte Entwicklungskosten werden notwendige Abschreibungen vorgenommen. Zur Reduktion der technischen Risiken ist ein umfassendes Projekt- und Qualitätsmanagement sowie die praxisnahe Erprobung bei Beta-Anwendern etabliert.
Aufgrund der beschriebenen risikoreduzierenden Maßnahmen werden die potenziell hohen Risiken hieraus derzeit als eher unwahrscheinlich und somit moderat erachtet.
Beschaffungsrisiken
Infolge der bestehenden Unsicherheiten bei der Bereitstellung von Materialien durch Lieferanten, z.B. wichtigen Elektronikbauteilen wie Halbleitern für die Steuerung der Druckmaschinen, lassen sich Risiken in der Lieferkette nicht ausschließen. Diese können sich für Koenig & Bauer durch lange Lieferzeiten, steigende Einkaufspreise, Umsatzverluste und Qualitätsmängel bemerkbar machen. Bei fehlenden Ausweichmöglichkeiten können kurzfristige Lieferausfälle zu Produktionsstillständen und eigenen Lieferverzögerungen mit negativen Auswirkungen auf die Kapazitätsauslastung, Serviceumsätze und das Ergebnis führen. Neben einer intensiven Marktbeobachtung und einem eingehenden Lieferantenmanagement, das die Überwachung der Lieferqualität und -treue wesentlicher Lieferanten beinhaltet, wird den Risiken einer Störung des Produktionsprozesses durch detaillierte Bedarfsplanungs- und -steuerungsprozesse auf Konzernebene begegnet. Besonders bei Single-Source-Lieferanten achtet Koenig & Bauer auf die Sicherstellung von Back-up-Lösungen. Strategische Komponenten und versorgungskritische Bauteile werden selbst gefertigt oder über dauerhaft angelegte Lieferantenbeziehungen bezogen. Preisrisiken, die weiterhin insbesondere bei Teilen mit eingeschränkter Verfügbarkeit bestehen könnten, wird durch ein konzernweites Warengruppenmanagement mit Bündelung von Einkaufsvolumen und durch langfristige Lieferverträge begegnet. Durch eine enge Zusammenarbeit und regelmäßige Audits mit Lieferanten verbessert Koenig & Bauer kontinuierlich die Qualität der angelieferten Teile. Die im Zuge des Lieferantenmanagements erhobenen Qualitäts- und Rückstandsquoten liegen im Bereich der Erwartungen. Die Risiken aus den Verschlechterungen der internationalen Handelsbeziehungen und protektionistischer Tendenzen und damit einhergehender geopolitischer Störfälle hat sich gegenüber den Vorjahren abgeschwächt. Auf Basis der Überprüfung kritischer Lieferketten und angepasster Sourcing Strategien werden Abhängigkeiten von Lieferanten sowie perspektivisch von Ländern reduziert und mit diversifizierten Lieferketten die Auswirkungen weiterhin nicht gänzlich auszuschließender Handelsbeschränkungen verringert. Unverändert sieht Koenig & Bauer auch Risiken in Bezug auf die Energiepreise, denen durch eine Diversifizierung der Energiequellen und langfristigen Lieferverträgen begegnet wird.
Unter Berücksichtigung der beschriebenen Maßnahmen wird der Eintritt von Beschaffungsrisiken mit ihren potenziell hohen Auswirkungen derzeit als eher unwahrscheinlich und somit als moderat eingestuft.
IT Risiken
Die wachsende Abhängigkeit der Gesellschaft von Technologie und die steigende Vernetzung von Informationssystemen über das Internet erhöht das Risiko absichtlicher oder unabsichtlicher Schädigungen des Konzerns durch Ausnutzung von Schwachstellen in den eingesetzten IT-Produkten und IT-Systemen. Folgen eines unberechtigten Zugriffs von internen und externen Angreifern können die Störung der Verfügbarkeit der Arbeits- und Produktionssysteme sowie der Lieferketten, Diebstahl von Daten, Erpressung und Sabotage oder Imageschäden für die Koenig & Bauer-Gruppe sein. Insbesondere der sog. „CEO-Fraud“, ein Betrugsszenario, das sich Kriminelle zunutze machen, um Angestellte dazu zu bringen, hohe Geldsummen zu überweisen, verbreitet sich immer weiter und wird durch den Einsatz von KI qualitativ verbessert. Durch Schulungen der Mitarbeiter und die Steigerung der Awareness für solche Themen, ist eine erfolgreiche Risikostrategie etabliert. In den letzten Jahren hat sich der Digitalisierungsprozess nochmals deutlich beschleunigt und Innovationen wie die Änderung von Geschäftsmodellen, beispielsweise Online-Verkauf und -Service, oder geänderte Arbeitsweisen, insbesondere die weitreichende Nutzung von KI-Applikationen und kollaborativen Tools durch eigene Mitarbeitende intensiviert. Der erheblichen Steigerung der Effizienz steht dabei das Risiko entgegen, dass die Kosten für Softwarelizenzen und Cloud-Speicher ungeplant steigen könnten sowie, dass unternehmensinterne Daten ungewollt an Dritte abfließen könnten. Außerdem sind damit die Anforderungen an Koenig & Bauer aus dem regulatorischen Umfeld, z.B. NIS 2 erheblich gestiegen, was das Kostenrisiko für eine zeitgerechte und vollständige Umsetzung erhöht. Zugleich verzeichnet Koenig & Bauer eine erhöhte Bedrohung durch z.B. Phishing und vergleichbarer Attacken. Dies verstärkt den Bedarf an IT-Sicherheit und die Abwehr von Cyberrisiken. Den Risiken wird durch Richtlinien und definierte IT-Prozesse, Einhaltung gängiger Standards der IT-Sicherheit, verschiedenen Verteidigungslinien und der Umsetzung von IT-Sicherheitsprogrammen durch einen konzernweit tätigen Chief Information Security Officer (CISO) begegnet. Darüber hinaus besteht ein angemessener Versicherungsschutz für Cyberrisiken, der auch eine mögliche Betriebsunterbrechung beinhaltet.
Aufgrund der konzernweiten Implementierung des ERP-Systems von SAP bestehen für die Koenig & Bauer-Gruppe Risiken hinsichtlich des fortlaufenden Betriebes und der reibungslosen Abwicklung der Altsysteme sowie der Überführung der Geschäftsprozesse in das neue System. Zur Begrenzung dieser IT-Risiken bedient sich Koenig & Bauer namhafter Softwareberater und hat eine SAP-Projektgruppe installiert. Sollte die Ablösung der Altsysteme und parallele Installation der neuen ERP-Software nicht termingerecht und störungsfrei gelingen, können Einschränkungen des operativen Betriebs oder Mehrkosten des SAP-Implementierungsprojekts erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Zur Reduzierung der Risiken wird die Einführung in den operativen Gesellschaften sukzessive und auf Basis einer einheitlichen Plattform durchgeführt. Aufgrund der erfolgreichen Systemumstellung in den ersten Gesellschaften, Erfahrungen aus ähnlichen komplexen Projekten und des in hohem Maße erfolgenden Einbezugs externer Experten sind über gewöhnliche Projektrisiken hinausgehende Gefahren nicht erkennbar.
Der Eintritt bestehender IT-Risiken, mit einem hohen Schadenspotential, wird als unwahrscheinlich und somit insgesamt als moderat erachtet.
Produktionsrisiken
Mangelnde Qualität, Ausschuss und Fehlteile können in der Konstruktion, Fertigung und Montage zu Risiken führen. Eine temporär hohe Nachfrage kann auch Terminverzögerungen bei einzelnen Komponenten verursachen. Ein von Koenig & Bauer zu verantwortender Lieferverzug oder eine nicht vertragsgemäße Lieferung kann über Vertragsstrafen oder Kundengutschriften zu einer Margenschmälerung führen. Zu einer Risikoerhöhung führt dabei auch eine Verlagerung der Produktion auf kleinere Stückzahlen oder besonders fehleraffine Teile. Zur Qualitätssicherung verfügt Koenig & Bauer über eine zentrale Qualitätsabteilung, die konzernweite Prozesse und Standards definiert, welche dann in allen Werken und relevanten Unternehmensbereichen durch dezentrale Qualitätsabteilungen umgesetzt werden. Mit kontinuierlichen Qualitätskontrollen nach standardisierten Prozessen werden Fehlerquellen systematisch analysiert und Produktionsprozesse optimiert. Die interne Terminkontrolle erfolgt über regelmäßige Abstimmungen und ein Berichtssystem. Mit periodischen Kostenberichten, die auf einem Kostenrechnungssystem mit strukturierten Prozessen zur Planung, zum Forecast und zur Abweichungsanalyse basieren, wird eine Kostenkontrolle und -steuerung vorgenommen. Zur Optimierung der gesamten Lieferkette für eine nachhaltige Lieferzeitreduzierung arbeitet Koenig & Bauer beim internen Produktionsnetzwerk an operativen und strategischen Anpassungen zur Senkung von Kosten und Durchlaufzeiten sowie zur Produktivitätssteigerung. Einen großen Einfluss auf die Ertragslage hat die Fähigkeit, die Qualitätskosten für technisch komplexe Produkte weiter nachhaltig zu senken.
Auch das Risiko einer Betriebsunterbrechung kann nicht vollständig ausgeschlossen werden. Produktionsverzögerungen aufgrund von Ausfällen oder Unterbrechungen einzelner Produktionsmittel oder der technischen Infrastruktur können sich negativ auf die Produktionseffizienz auswirken und das Geschäft spürbar beeinträchtigen. Produktionsstandorte werden deshalb gemeinsam mit externen Beratungen und Experten relevanter Versicherungen bezüglich Faktoren, die eine Betriebsunterbrechung verursachen könnten, bewertet. Die auf Grundlage der Bewertungen abgeschlossenen Versicherungen decken Feuer-, Unwetter- und weitere Risiken mit entsprechenden Sach- und ausgewählten Betriebsunterbrechungsversicherungen ab. Im Rahmen des Instandhaltungsmanagements werden mögliche Schwachstellen analysiert und vorbeugende Maßnahmen zur Verfügbarkeit und Betriebssicherheit von Koenig & Bauer Maschinen verbessert. Dadurch lassen sich ungeplante Ausfälle und Anlagenstillstände sowie die damit verbundenen Kosten begrenzen.
Unter Berücksichtigung aller vorhandenen Gegenmaßnahmen wird der Eintritt von Produktionsrisiken als möglich und der potenziellen Wirkung nach als mittel erachtet und somit als moderat bewertet.
Risiken im Personalbereich
Der Unternehmenserfolg hängt wesentlich von motivierten, hoch qualifizierten Ingenieuren, Fach- und Führungskräften ab. Infolge des demographischen Wandels ist Koenig & Bauer zunehmend mit einer jährlich steigenden Zahl an hoch qualifizierten Mitarbeitenden konfrontiert, die das Unternehmen aufgrund ihres Renteneintritts verlassen, was eine konsequente Nachfolgeplanung insbesondere durch die Schaffung von Redundanzen zur geordneten Übergabe von Themen und Geschäftspartnerkontakten erfordert. Weiterhin erschwert der Wettstreit um Fachkräfte sowie die rückläufige Zahl an Schulabgänger:innen die Bindung geeigneter Fach- und Nachwuchskräfte. Durch eine Ausweitung der beruflichen Ausbildung an der staatlich anerkannten Koenig & Bauer Werkberufsschule wird diesem Risiko aktiv begegnet. Als weitere wesentliche Bausteine zur besseren Bindung von Mitarbeiter:innen werden Mitarbeitenden vielfältige Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben angeboten, z.B. mobiles Arbeiten, Gleitzeit, flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeitarbeit und verkürzte Vollzeit, Ferienbetreuung oder die Möglichkeit von Sabbaticals sowie weitere Sozialleistungen wie z. B. betriebliche Altersvorsorge, eine eigene Betriebskrankenkasse und Kantine, unterschiedliche Mobilitätsangebote, etc.. Über Trainee- und Weiterentwicklungsprogramme, die Koenig & Bauer Academy mit über 1000 Weiterbildungsangeboten oder auch langfristig angelegte Entwicklungspläne werden Fach- und Führungskräftenachwuchs auf zukünftige Aufgaben vorbereitet. Parallel arbeitet das Unternehmen in der externen Darstellung an einer Verbesserung der Wahrnehmung als attraktiver und innovativer Arbeitgeber. Zudem besteht über die dezentralen Produktions-, Service- und Vertriebsgesellschaften in- und außerhalb Deutschlands Zugang zu Fachkräften, deren Ausbaupotenzial regelmäßig überprüft wird.
Im Hinblick auf die Forderung der Kund:innen nach kurzen Lieferzeiten, aber auch zur temporären Abfederung von Auslastungsschwankungen in den Fabriken stehen Instrumente wie Arbeitszeitkonten oder Leiharbeit zur Verfügung. Bei einer fehlenden Bereitschaft von Mitarbeitenden zu flexiblen Arbeitszeiten oder sofern qualifiziertes Fremdpersonal für Auftragsspitzen nicht rekrutiert werden kann, besteht das Risiko, Kundenaufträge nicht zeitgerecht umsetzen zu können und dadurch Aufträge zu verlieren oder verspätet auszuliefern. In gleichem Maße besteht das Risiko, dass vorhandene Kapazitäten bei fehlender Auslastung aufgrund von Fehlteilen zu Leerkosten führen, die kurzfristig durch den Abbau von Überstunden oder Leiharbeit eingegrenzt werden können.
Unter Berücksichtigung der initiierten Maßnahmen und der aktuellen Auslastungs- sowie Arbeitsmarktsituation wird der Eintritt von Risiken im Personalbereich mit potenziell niedriger Auswirkung als möglich und somit als moderat bewertet.
Risiken der Vertragserfüllung
Bei komplexen Aufträgen im Maschinen- und Anlagenbau können Risiken in der Vertragserfüllung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Eine von Koenig & Bauer zu verantwortende nicht vertragsgemäße Lieferung, ein Lieferverzug oder die Verletzung von Nebenpflichten kann über Vertragsstrafen oder Kundengutschriften zu einer Margenschmälerung führen. Kundenseitige Verzögerungen, wie z. B. bei der Fertigstellung von Druckereigebäuden, können den Zahlungseingang und die Ergebnisrealisierung negativ beeinflussen. Neben einem professionellen Projektmanagement und der kontinuierlichen Optimierung der internen Abstimmungs- und Qualitätssicherungsprozesse wird dem Risiko mit einer adäquaten Vertragsgestaltung begegnet, sodass die Risiken hieraus als niedrig und unwahrscheinlich angesehen und somit als gering bewertet werden.
Sonstige Risiken
Reputationsrisiken
Im technisch anspruchsvollen Investitionsgütergeschäft besteht immer das latente Risiko, dass durch Qualitätsprobleme, Schutzrechtsverletzungen oder ähnliche Sachverhalte ein nur schwer quantifizierbarer Schaden für die Reputation und somit auch für den Wert der Marke „Koenig & Bauer“ entsteht. Das Ausmaß eines potenziellen Schadens ist dabei von der Intensität, Dauer und Reichweite von negativen Nachrichten abhängig. Der Bereich Unternehmenskommunikation hat zur Begrenzung dieser Risiken Prozesse etabliert, die sicherstellen, dass negative Kommunikation zu Koenig & Bauer über alle Kanäle, z. B. Presse, Social Media, Foren detektiert wird, um diesen, z.B. durch die Bereitstellung zusätzlicher Informationen, Richtigstellungen oder Moderation gezielt zu begegnen. Aufgrund begrenzter Ressourcen ist es jedoch nicht möglich, ein lückenloses Monitoring aller Medien sicherzustellen und allen negativen Nachrichten zeitnah entgegenzutreten.
Ein weiteres Risiko für den Wert und die Akzeptanz der Marke kann sich im Falle einer nicht einheitlichen Verwendung von Darstellungen und Sprache zum Beispiel durch Tochterunternehmen und Vertriebspartner ergeben.
Ein dadurch bedingter Verlust am Markenwert in einem mittleren finanziellen Ausmaß wird als unwahrscheinlich bewertet, stellt aber ein geringes Risiko dar.
Katastrophen und höhere Gewalt
Für Koenig & Bauer bestehen Risiken im Zusammenhang mit Epidemien und Pandemien, Natur- und Umweltkatastrophen oder sozialen Spannungen. Aufgrund der stark globalisierten und vernetzten Welt, können lokale Katastrophen hohe Auswirkungen auf das Geschäft der Koenig & Bauer Gruppe haben. Aufgrund des Endes der Covid-19-Pandemie, wurden in diesem Umfeld aktuell keine nennenswerten Risiken identifiziert. Nichtsdestoweniger ist die Koenig & Bauer Gruppe nun auf dieses Thema sensibilisiert. Entwicklungen und Risiken werden pro-aktiv überwacht; eine unverzügliche Reaktivierung der während der Pandemie etablierten Maßnahmen ist somit sichergestellt. Außerdem wurde das Angebot von mobilem Arbeiten auch nach der Pandemie weiter aufrechterhalten. Das plötzliche Auftreten von pandemischen Krankheitserregern kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Im Übrigen werden unmittelbare Schäden möglicher Natur- und Umweltkatastrophen wie Elementarschäden soweit möglich und wirtschaftlich sinnvoll durch Versicherungen abgedeckt.
In der Gesamtbetrachtung wird die Möglichkeit des Auftretens eines niedrigen Risikos aus Katastrophen und höherer Gewalt als unwahrscheinlich, mithin als gering eingestuft.
Rechtliche Risiken
Koenig & Bauer ist vielfältigen rechtlichen und gesetzlichen Regelungen unterworfen. Die Verletzung von gesetzlichen Vorgaben, Verträgen, Lizenzbestimmungen oder Schutzrechten, der negative Ausgang von Rechtsstreitigkeiten, behördlichen Verfahren sowie die Missachtung von regulatorischen Anforderungen können finanzielle Schäden wie Strafzahlungen, Schadenersatzzahlungen, Sanktionen oder Reputationsschäden verursachen. Einen besonderen Fall eines Rechtsrisikos stellen die seitens der brasilianischen Behörden gegen die Koenig & Bauer Banknote Solutions SA geführten Verfahren dar, über die die Gesellschaft mit Ad-hoc-Mitteilung vom 24.07.2019 informiert hat. Die Verfahren laufen unverändert. Bestehende und drohende Rechtsstreitigkeiten werden kontinuierlich erfasst, analysiert, hinsichtlich ihrer juristischen und finanziellen Auswirkungen bewertet und in der bilanziellen Risikovorsorge entsprechend berücksichtigt, wenn eine Verpflichtung wahrscheinlich ist. Die Bewertung dieser Rückstellungen, z. B. für Rechtsfälle und behördliche Verfahren, ist in erheblichem Maße mit Schätzungen verbunden. Diese werden im Rahmen der vierteljährlichen Litigation-Reports und auf Grundlage der jährlich eingeholten Rechtsanwaltsbestätigungen fortlaufend überprüft und bei Veränderungen frühzeitig aktualisiert.
Insgesamt wird das Risiko negativer Einflüsse durch Rechtsstreitigkeiten und -verfahren als hoch und eher unwahrscheinlich angesehen, mithin als moderat bewertet.
Der Konzern ist in keine Gerichts- oder behördlichen Verfahren verwickelt, denen keine nach diesen Grundsätzen folgenden Mitigationsmaßnahmen und damit Risiken für die wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens gegenüberstehen.
Zusammenfassende Darstellung der Risikosituation
Den weiterhin herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, den volatilen Zins- und Wechselkursentwicklungen, geopolitischen Spannungen, insbesondere den Ukraine-Russland Krieg, der Auseinandersetzungen im mittleren Osten und dem schwelenden China-Taiwan-Konflikt, hat Koenig & Bauer – wie auch in den Vorjahren – bereits in den Erwartungen und Geschäftsplanungen hinreichend Rechnung getragen. Vor dem Hintergrund dieses anhaltend volatilen Umfelds hat sich die Anzahl der im Konzern gemeldeten Risiken gegenüber der Vorperiode erhöht. Der Gesamtwert der Risiken sowie auch der gewichtete Risikowert, der sich aus der Multiplikation des Risikowerts mit der Eintrittswahrscheinlichkeit ergibt, hat sich gegenüber der Vorperiode reduziert, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass Investitionsentscheidungen von Kunden nach Stabilisierung der geltenden Zollsätze sowie Abschluss der großen Marktkonsolidierung wieder getroffen werden.
Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Herausforderungen und den damit einhergehenden Risiken ist eine ausreichende Risikotragfähigkeit gegeben. Aus heutiger Sicht sind keine Risiken erkennbar, die – einzeln oder kumulativ – den Fortbestand des Koenig & Bauer-Konzerns gefährden könnten. Das breit aufgezogenes Produktprogramm, ausgerichtet auf fundamental intakte Absatzmärkte, die weitere erfolgreiche Umsetzung der definierten Effizienzmaßnahmen sowie die starke Marktposition der Koenig & Bauer Gruppe und finanzielle Stabilität begrenzen das Risikopotenzial.
Mit den anhaltenden Anstrengungen zur Optimierung des Risikomanagements verbessert sich das Risikobewusstsein in der Koenig & Bauer kontinuierlich. Die detaillierte und umfangreiche Risikoberichterstattung verbessert das Verfolgen von Risikobegrenzungsmaßnahmen und damit nachhaltig den verantwortungsvollen Umgang mit Chancen und Risiken im Unternehmen.
Der Risikobericht basiert notwendigerweise auf den verfügbaren Informationen sowie Erwartungen und Einschätzungen zum Zeitpunkt der Berichterstattung und bezieht sich auf zukünftige Entwicklungen. Es ist nicht auszuschließen, dass der Konzern auch durch andere oder zusätzliche Risiken beeinflusst werden könnte, die sich der derzeitigen Kenntnis entziehen oder als nicht wesentlich erachtet werden. Zudem ist nicht auszuschließen, dass sich Risiken innerhalb des Prognosezeitraums in einer Weise verändern, die zu einer wesentlichen Abweichung der jetzigen Einschätzung führen könnten.
